Das Interview als Recherchemethode

Ein Interview zu führen bedeutet,

sich in der persönlichen Begegnung bzw. im telefonischen Gespräch (z.B. wenn es um bloße Fakten geht) Informationen zu holen.

Wichtig hierfür ist eine gute Vorbereitung: Welche Informationen werden für das Thema benötigt? Welche Fakten fehlen? Werden weitere Einschätzungen zu Sachverhalten oder Ereignissen gebraucht? Soll versucht werden an vertrauliche Informationen zu kommen?

Wenn man weiß, was man will, formuliert man sich die Interviewfragen schon vor dem Gespräch schriftlich aus. Am besten ordnet man sie vorab nach Wichtigkeit. Zudem informiert man den Interviewpartner, dass es sich um ein Rechercheinterview handelt.

Für die Durchführung gilt: Je nachdem wie viel Zeit zur Verfügung steht, kann mit einem „Warm up“ oder mit einer „Eisbrecherfrage“ begonnen werden, um eine entkrampfte Gesprächsatmosphäre herzustellen. Also Unproblematisches fragt man zuerst. Hat man wenig Zeit, beginnt man direkt.

Höflichkeit, angemessene Kleidung, Blickkontakt und interessiertes Auftreten sind genauso selbstverständlich wie die Nachfrage, ob das Gespräch aufgezeichnet werden darf. Trotz Höflichkeit darf der Interviewer sich nicht scheuen, nachzuhaken oder zu unterbrechen (siehe unten Fragen und andere Techniken).

Wenn man später im Beitrag einzelne Passagen oder Aussagen des Interviewpartners zitieren will, muss abgeklärt werden, ob der Interviewpartner die verschriftlichten Gesprächsinhalte erlauben lassen will (die sog. Autorisierung).

Am Ende des Gesprächs steht der Dank.

Fragen und andere Techniken

Grundsätzlich gilt: Kurz und genau fragen.

  • Offene W-Frage: Der Gefragte muss entsprechend ergänzen, er ist freier in seinen Antworten und er kommt ins Reden.

Bsp.: Welches Schulfach findest Du interessant? Was ist in den Ferien besonders schön?

  • Geschlossene Frage: Der Gefragte kann nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten bzw. zustimmen oder ablehnen. Er muss sich also entscheiden.

Bsp.: Gibt es ein interessantes Schulfach? Findest Du Ferien schön?

  • Frage nach dem Grund: Sie will das Warum klären. Allerdings kann es sein, dass der Gefragte unter Rechtfertigungsdruck kommt.

Bsp.: Warum ist Mathe für Dich interessant? Warum sind die Ferien besonders schön?

  • Balkon-Frage: Der eigentlichen Frage ist eine kurz Erläuterung / Erklärung / Information vorangestellt. Sie führt beim Befragten zum besseren Verständnis. Bsp.: In Mathe lernt man die Prozentrechnung: Inwiefern hat das Dir das Leben leichter gemacht? Ferien, Urlaub, Sonnenschein: Was war Dein schönstes Urlaubserlebnis?
  • Nachhaken:
  1. Dieselbe Frage noch einmal stellen mit dem Zusatz „Noch einmal“.

Bsp.: Noch einmal: Warum ist Mathe für Dich interessant?

  1. Die ausweichende Antwort knapp wiederholen und erneut fragen.

Bsp.: Schule ist deiner Ansicht nach grundsätzlich schwierig. Ich fragte aber, warum Mathe für Dich nicht interessant ist?

  1. Eigenen Eindruck als Frage formulieren.

Bsp.: Mir fällt auf, dass dir eine Antwort auf die Frage schwer fällt. Ist das so?

  • Unterbrechen: Wenn der Befragte zu lang und/oder abschweifend antwortet, ist das Unterbrechen erlaubt z.B. mit dem Hinweis auf die knappe zur Verfügung stehende Zeit. Am besten unterbricht man während Redepausen des Interviewpartners.