Über das Klappern von Tassen und Tellern

Café Padeffke. Schon beim Hereinkommen steigt einem der süßliche Geruch von gebackenen Spezialitäten in die Nase. Stimmengewirr. Glückliche Gäste sitzen an den Tischen, essen Kuchen, trinken Kaffee und unterhalten sich über die alltäglichen Themen des Lebens. Sofort fühlt man sich wohl und willkommen. Der Sitzbereich

für Gäste und Kunden ist in einem schlichten Industrielook gestaltet. Gemütliche Sessel und Stühle laden dazu ein, länger zu bleiben und für ein paar Stunden dem Alltag zu entfliehen. Der Raum vermittelt eine Wohlfühlatmosphäre. Das sanfte Licht der Baulampen taucht alles in einen weichen Farbglanz. Überall stehen weihnachtliche Deko-Artikel. Draußen tobt das Winterwetter. Es ist kalt geworden. Auf den Straßen sind nur wenige Menschen unterwegs. Drinnen ist es angenehm warm, entspannt. Personen aller Altersgruppen sind anzutreffen. Das neue Café Padeffke, im Gesundheitszentrum Mössingen, ist ein Versuch eine moderne Stadtmitte zu kreieren. Zwei junge Mädchen unterhalten sich angeregt, während sie Fotos von ihren Kuchenstücken machen und auf sämtlichen Social Media Plattformen hochladen. Die dicken Jacken haben sie locker über die Stühle gehängt. Die Blicke nach draußen gerichtet. Es ist schön, hier im Warmen zu sitzen, eine heiße Tasse Kakao oder Kaffee zu trinken und das Unwetter zu beobachten, finden die beiden. „Die Umsetzung der neuen Stadtmitte ist gut gelungen“, meint eine von ihnen, „man könnte Stunden hier sitzen und reden.“ Mit einem Lächeln isst sie ein Stück von ihrem Zwetschgenkuchen. „Schade, dass man so selten Zeit findet, hier her zu kommen“, seufzt die andere. Stille. Sie wendet ihren Blick wieder nach draußen. Das Café strahlt eine angenehme Ruhe aus. Die Bedienung hinter dem Verkaufstresen lächelt den neuen Kunden freundlich entgegen. „Was bekommen sie, bitte?“ Sie fährt sich einmal gestresst über die Schürze, während ihre Kunden vor lauter Schauen nicht wissen, was sie bestellen sollen. Einige Gäste stehen auf, strecken die müden Glieder, die vom vielen sitzen schon ganz kribbelig geworden sind. Sie packen Geldbeutel und Handys in ihre Taschen, ziehen die Jacken an und stellen ihre Tabletts auf den Geschirrwagen. Die Schiebetüren öffnen sich und ein kalter Luftzug weht durch das Café. Winter. Es ist deutlich zu spüren, wie die kalte Jahreszeit ihre Umgebung verändert. Die Bäume auf dem Hof sind von einigen weißen Reif überzogen.  Alles wirkt grau, die Straße, die Häuser, selbst die Grünflächen, die hier und da aufblitzen, sind von der tristen Farbe berührt. Nur drinnen ist es anders. Glänzend, warm. Die Lichter und Kerzen bereiten Vorfreude auf Weihnachten. Man bekommt schon Lust, die Plätzchen zu backen und Geschenke zu verpacken. Der herbe Geruch von Zimt mischt sich mit dem von frisch gebackenem Brot. Lecker. Man fühlt sich wie in einer Weihnachtsbäckerei. Umgeben von Brot und Gebäck aller Art. Keiner hier wirkt gestresst. Niemand läuft hektisch herum. Es scheint als stünde die Zeit still, als wäre man fern von all dem Verkehr, der sich nur ein paar Meter weiter durch die Häuser schlängelt, fern von den Geschäften und kalten Wintertagen, in einer fremden Welt gelandet. Viele unterhalten sich, selbst wenn man es nicht tut, herrscht keine unangenehme Stille. Das Klappern von Tassen und Tellern erfüllt den Raum. Ein entspannender Hintergrundton, es ist schön mal nicht „Last Christmas“ im Radio hören zu müssen, keine nervige Fahrstuhlmusik, aber dennoch genug Geräusche, um sich nicht unwohl zu fühlen. Wenn gerade wenig los ist, kann man die Bedienungen dabei beobachten, wie sie sich mit einem Kaffee in der Hand bequem an den Tresen lehnen und quatschen. Hinter dem stets freundlichen Lächeln lässt sich ein Funken Stress erkennen. Zu dieser späten Stunde kaum verwunderlich. Vom vielen Stehen ist ihre Haltung leicht gebeugt, man merkt es kaum. Gerade betritt eine ältere Dame mit ihrem Enkel das Café. Der Kleine läuft sofort auf die Vitrine zu und betrachtet die vielen Kuchen und kunstvoll verzierten Torten. Seine Wangen sind von der Kälte leicht gerötet. Staunen. Die Augen glänzen vor Begeisterung. Dieser Ausdruck ist bei vielen Kindern zu beobachten, die den Raum betreten. Die Erwachsenen sind meist ausdrucksloser. Sie schauen ständig auf ihr Handy, telefonieren, ziehen ihre Kinder weg von der Scheibe. Sie können nicht entspannen. Noch nicht. Denn wenn man sie länger betrachtet, sieht man, wie auch sie sich Stück für Stück von der vorweihnachtlichen

Stimmung anstecken lassen, während sie ihre Kuchen essen. Sie lachen zusammen, manchmal auch etwas zu laut, dann schauen sie sich erschrocken um, in der Angst jemand könne sie verwundert anschauen, doch das ist nur selten der Fall. Niemand stört sich daran.  Die beiden Mädchen machen sich wieder auf den Weg. Im Hinausgehen sagt eine der beiden: „Wir kommen bald wieder.“

von Luna Martinez Fleuchaus und Franka Röhrle (Klasse 9b)

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