Friedhof Mössingen – ein Ort zum Nachdenken

Als wir den Friedhof betreten, ist die Luft kalt und klar. Die Bäume rascheln geheimnisvoll im Wind. Wir lassen unseren Blick über die verlassenen Gräber schweifen. Augenblicklich spüren wir ein beklemmendes Gefühl in unseren Bäuchen und das heitere Gespräch verstummt, welches wir bis eben führten. In der Ferne sehen wir Gestalten in schwarzer Kleidung davonströmen. Die Ruhe wird nur von einem Bagger weiter hinten gestört. Wir können zwei in schwarz gekleidete Männer erkennen. Sie füllen das frisch ausgehobene Grab mit alter schwarzer Erde auf. Für ein Gespräch mit uns haben sie allerdings keine Zeit. Diese Erfahrung abgewiesen zu werden mussten wir an diesem Tag häufiger machen. Viele der Friedhofsbesucher wollen nicht mit uns sprechen, da sie nicht in der richtigen Verfassung dazu sind. Wir haben Verständnis.

Etwas später treffen wir Hartmut Müller, welcher mit seiner Frau und seinem Schwager auf den Friedhof kommt, um zu laufen. Er kommt oft im Monat auf den Friedhof, um die schöne Umgebung zu genießen. Er betritt den Mössinger Friedhof mit gemischten Gefühlen. Er spürt Trauer und zugleich hat er gute Erinnerungen an seine Eltern und Großeltern.

Auf seine Frau wirkt der Friedhof sehr friedlich und auch sie genießt es sehr dort zu spazieren. Ihr fällt auf, dass der Mössinger Friedhof ein sehr vielfältiges Sortiment an Grabsteinen aufzuweisen hat, was ihn umso ansprechender macht.

Die Zeit vergeht, die Kälte nicht. Der Friedhof ist nahezu menschenlehren Friedhof. Schließlich treffen wir Ralf Buck von der Stadtgärtnerei, welcher gerade dabei ist den Kompost zu leeren. Auf unsere Frage, wie es für ihn ist auf dem Friedhof zu arbeiten, antwortet er scherzhaft, dass es angenehm sei bei dieser „ruhigen Kundschaft“. Ansonsten hat er ein reines Arbeitsverhältnis zu diesem Ort. „Es ist ein Geschäft wie jedes andere,“ sagt er uns, während er volle Säcke mit Kompost auf den Anhänger lädt. Er erzählt uns, dass er nur teilweise auf dem Friedhof arbeitet und nicht bei Bestattungen mithilft. Seine Aufgabe und die seiner Kollegen ist es, sich um den Rasen zu kümmern, die Bäume und Hecken zu stutzen und den Kompost und das Laub zu entsorgen.

Als wir den Friedhof verlassen, fühlen wir uns ein wenig beklemmt. Die Atmosphäre hat uns nachdenklich gemacht. Wir gehen mit einem anderen Gefühl nach Hause, als wir gekommen sind. Es stellt sich ein merkwürdiges Gefühl der Dankbarkeit ein. Wofür? Für das Leben.

von Lena Kohler und Alissa Stalder (Klasse 9b)

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