Ab ins Ungewisse!

Kevin und ich sehen die herabgefallenen Bauteile. Wir ahnen schon, welche Verwüstung sich im Inneren befindet. Der Turm mit der großen Aufschrift „MAUTE“ streckt sich in den Himmel. Um auf das Gelände zu kommen, müssen wir einen zwei Meter hohen Drahtzaun überwinden. Danach schleichen wir über ein offenes Gelände hin zum Gebäude. Mit Sturmmasken getarnt steigen wir durch ein Fenster in einen großen offenen Raum. Überall liegt Müll und verbrauchte Heroinspritzen sehen wir in vielen Ecken. Jetzt müssen wir uns entscheiden, ob wir in den dunklen Keller gehen oder die oberen Etagen und Hallen erkunden. Kevin meint, dass es in den Hallen bessere Dinge zu sehen gibt als im Keller. 

Auf der ersten Etage sind ehemalige Büroräume mit komplett zerstörten Möbeln. „Pass auf hier liegen überall Glasscherben“, flüstert mir Kevin zu. Ich denke mir nur: „Die Glasscherben sind nicht mein Problem. Ich hoffe, uns hat niemand gesehen!“ Nun schreiten wir durch das Gebäude und gelangen in eine Lagerhalle. Was wir da sehen, ist einfach nur unglaublich für so einen „Lost-Place“. Die gesamte Halle steht voller Kleinwagen. Nachdem wir uns die gesamte erste Etage angeschaut haben, suchen wir nach einem Weg aufs Dach. Wir durchkämmen viele verwüstete Büro- und Gemeinschaftsräume, die damals zur Herstellung von Kleidung und sonstigem genutzt wurden. Wir trennen uns, um schneller eine Treppe hinauf zu finden. Wir verabreden, entweder uns in einer viertel Stunde an einem Ort zu treffen oder uns gegenseitig anzurufen. 

Kevin geht nach links und ich nach rechts. Ich entschließe mich logisch vorzugehen und nicht einfach drauflos zu suchen. Ich suche nach Feuertreppen oder nach Gängen. Dabei entferne ich mich immer weiter von unserem abgemachten Treffpunkt. Die zersplitterten Fenster und das Graffiti an der Wand wirken bedrohlich auf mich. Ich habe das Gefühl, in einem Gebäude zu sein, in dem eine Razzia stattgefunden hat. Das zerstörte „Maute“wurde jedoch nur als Partyhaus oder als Unterschlupf für Obdachlose genutzt. Nachdem die Polizei mehrere Jugendliche mit einem großen Einsatz aus dem Gebäude abtransportiert hatte, musste die Gemeinde Bisingen das Gelände absperren lassen. Ich schaue auf die Uhr. 15 Minuten waren schon längst um. Ich laufe schnell wieder zurück zum ausgemachten Treffpunkt. 

„Dring. Dring. Dring.“, ertönte mein Handy. „Hallo? Alles gut bei dir Kevin?“, frage ich. „Komm schnell an die Seite des Gebäudes, wo die kaputte Treppe ist“, schreit Kevin und legt auf. Ich sprinte in seine Richtung und plötzlich höre ich ein lautes Krachen. Da ist doch glatt ein Gebäudeteil eingestürzt. Ich erhöhe mein Tempo und renne in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Am Raum angekommen kann ich Kevin nur schwach durch den Staub erkennen. Sein Gesicht ist verzogen. War er verletzt, frage ich mich. Ich klettere schnell über die Gebäudeteile und Schränke. Dabei verletze ich mir mein Bein an einem abstehenden Glassplitter. Ich stocke kurz, doch dann versuche ich weiter die Hindernisse zu überwinden, um zu schauen, was Kevin passiert ist. Sein Fuß ist zwischen mehreren Teilen eingeklemmt. „Auaaaaa!“, schrie er aus vollem Halse. Ich kann seine Schmerzen an seinem Gesichtsausdruck erkennen. Nachdem ich das Bein freigelegt habe, setzen wir uns erstmal an eine Wand und Kevin flüstert: „Das war der geilste Tag meines Lebens!“. Als ich das höre, schaue ich ihn nur noch verdutzt an. „Dein Bein hat Quetschung und meins ist aufgerissen“, entgegne ich ihm. „Darauf kommt es nicht an Bro. Das verheilt schon wieder. Das einzige was zählt ist, das, was wir zusammen erlebt haben! Und diese Zeit werde ich nie vergessen!“

 von Stephan Witt (9b)

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