Erinnerung: Ich im Rampenlicht

Meine Hände sind kalt, gebannt stehen wir hinter dem Vorhang und warten, bis er sich endlich wieder öffnet, ein gedämpftes Raunen des Publikums ist trotz des dicken Bühnenvorhangs der Stadthalle Balingen zu hören. Ich schaue mich um und blicke in die Gesichter einiger meiner Freunde und Theaterkollegen. In ihren Blicken sehe ich die gleiche Anspannung, wie ich sie im Moment fühle. Fast ein Jahr haben wir hart an unseren Rollen für das Stück „La Boheme“ gearbeitet und heute ist der große Tag gekommen, alles soll perfekt werden. Die Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf. Schneller als gedacht, ist die Pause vorbei, ich höre, wie die ersten Takte eines rührenden Duetts angespielt werden. Es dauert also nicht mehr lange, bis unser Auftritt beginnt. Ein letztes Mal streiche ich über mein himmelblaues Kleid und rücke meine Haare zurecht. Der Vorhang öffnet sich und im nächsten Moment leuchtet das helle Licht der Scheinwerfer in mein Gesicht. Es ist soweit, ich betrete die Bühne. Alle Augen sind ab jetzt auf uns gerichtet. Alles läuft ab wie geplant, die Hauptdarsteller schreiten über den Marktplatz, der Parpignol betritt mit seinem Wagen die Bühne und wir stimmen unsere Lieder an, beginnen mit unseren Tänzen, die wir so lange eingeübt haben. Plötzlich fällt die ganze Anspannung von mir und ich funktioniere nur noch. Jeder Schritt sitzt und läuft vollkommen automatisiert ab. Kurz darauf, befinden wir uns erneut hinter dem Vorhang. Allerdings ist die Stimmung keines Falls mehr angespannt, sondern voller freudiger Erwartung, denn so langsam verklingen die letzten Takte des Stückes. Einige Minuten später öffnet sich der Vorhang erneut und tosender Applaus bricht aus. Lächelnd verbeuge ich mich und nehme meine Premieren-Rose in Empfang. von Laura Schuker (Klasse 9b)

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